Round-up: Das „richtige“ Trinkgeld – immer wieder ein schwieriges Thema

Trinkgeld – immer wieder ist das ein heikles Thema. Schon wenn wir in der Heimat essen geht, stellt sich oft die Frage nach dem „richtigen“ Betrag. Ein Gespräch mit einer Kellnerin in unserem Stamm-Restaurant zeigte, dass es offenbar vielen so geht. Groß ist nämlich die Bandbreite bei ihren Trinkgeld-Einnahmen. Und auch die Nationalität der Touristen scheint eine Rolle zu spielen. Während zum Beispiel viele Briten erst einmal ansprechen, ob das Trinkgeld im Preis enthalten ist, erweisen sich US-Amerikaner wohl allgemein als äußerst großzügig.

Noch schwieriger wird es dann bei Übernachtungen. Denn im Hotel oder einer Pension bleibt zu klären: Wer soll ein Trinkgeld bekommen? Wie viel und wann? Auf Reisen im Ausland erhält das Thema noch eine weitere Komponente. Hier kommt schließlich die Frage dazu, was landesüblich ist. Bei all den Fragen rund um den Obolus für den Service könnte man zu dem Schluss kommen: Wie man es macht, ist es ohnehin falsch.

Doch wen könnte man besser zu einem solchen Thema fragen als Vielreisende? Und so erkundigte ich mich bei erfahrenen Reisebloggern nach ihren Erfahrungen und Tipps zum „richtigen“ Trinkgeld.

Meine eigenen Gewohnheiten in Sachen Trinkgeld

Speisekarten und ein gedeckter Tisch beim Lunch im Schweizerhof

Grundsätzlich handhaben wir das Thema Trinkgeld großzügig. Das gilt auch in Deutschland, wo die Servicekräfte trotz eines höheren Fixgehaltes als in anderen Ländern erst durch das zusätzliche Serviceentgelt der Gäste auf einen guten Schnitt kommen. Voraussetzung für unseren großzügigen Obolus ist aber ein freundlicher und guter Service.

Wie im Restaurant so honorieren wir auch im Hotel aufmerksamen Service gerne. Besonders schätzen wir dabei ein Modell, wie wir es in Süditalien kennengelernt haben. Dort ist es üblich, das Trinkgeld für das gesamte Personal in einem Briefumschlag an der Rezeption abzugeben. Am Ende der Saison teilen alle Angestellten den zusammengekommenen Betrag dann unter sich auf. Gut gefällt mir daran, dass so alle Servicekräfte vom Trinkgeld profitieren – auch die guten Geister hinter den Kulissen.

Da ein solches Modell aber leider einzigartig zu sein scheint, folgen wir ansonsten dem Üblichen: Kellner und Zimmerservice erhalten ihr Trinkgeld persönlich überreicht. Und in Südtirol füllen wir gerne einen zusätzlichen Betrag in das Sparschwein der Küchencrew. Den Gesamtbetrag haben wir dafür je nach Länge unseres Aufenthalts für uns festgelegt.

Aber lies jetzt, wie meine Reiseblogger-Kollegen mit dem Thema Trinkgeld umgehen und erfahre außerdem mehr zu den entsprechenden Sitten in Kuba und den USA.

Eigene feste Regeln für Trinkgeld

Maike von Op Jück un zuhuss

Maike von Opjück un Zuhuss

In Deutschland ist es für die meisten Menschen ganz einfach. Sie geben beispielsweise im Restaurant oder im Taxi standardmäßig 10% Trinkgeld. Auf Reisen ist es für viele ein eher schwieriges Thema. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach – für mich jedenfalls. Je zufriedener ich mit dem Service bin desto mehr Trinkgeld gebe ich. Bin ich unzufrieden gebe ich gar kein Trinkgeld. Dabei zeichnet sich guter Service hauptsächlich durch zwei Dinge aus: Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Der Kellner kann zum Beispiel nichts dafür, wenn das Essen schlecht ist. Er sollte bei Beschwerden aber zwischen Küche und Gast vermitteln, immer freundlich und aufmerksam sein. Die Reinigungskraft im Hotel ist natürlich eine Ausnahme, da man diese häufig gar nicht zu Gesicht bekommt. In diesem Fall zählt eben wie sauber und ordentlich das Zimmer ist.

Bei der Summe unterscheide ich nicht zwischen unterschiedlichen Ländern, Art der Servicetätigkeit oder Höhe der Rechnung. Ich gebe das, womit ich mich in diesem Moment gut fühle. Dabei macht es eigentlich keinen großen Unterschied, ob ich in Stockholm im Restaurant sitze oder in Bangkok und ob mein Essen 20€ oder 50€ gekostet hat. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass der Kellner in Stockholm deutlich weniger mit 5€ anfangen kann als der Kellner in Bangkok, aber für mich sind 5€ eben 5€. Das mag jetzt vielleicht egoistisch klingen, aber da ich bei sehr gutem Service (und meine Kriterien dafür sollte jeder erfüllen können) eher großzügig bin, kann ich damit gut leben.

Die einzigen Regeln an die ich mich halte: Ich gebe Trinkgeld immer in bar, auch wenn ich den Rest mit Kreditkarte zahle, und direkt nach der erbrachten Leistung; bei längeren Aufenthalten in einem Hotel beispielsweise nicht erst am Ende des Urlaubs.

Über Op Jück un Zuhuss

Op jück un zu Huss (niederrheinisches Platt für „unterwegs und zu Hause“) ist ein Reiseblog für alle die Tipps und Inspirationen suchen, um mit den üblichen 30 Urlaubstagen im Jahr möglichst viel von der Welt zu sehen. Wer nicht nur weltberühmte Sehenswürdigkeiten sondern auch mal unbekanntere Ecken zu erschwinglichen Preisen und mit einem gewissen Komfort erkunden möchte, ist bei mir goldrichtig.

Trinkgeld in Kuba

Dietmar von Cubanews.de

Ober, zahlen!

blauer Himmel Palmen und Flagge von Kuba

In Kuba funktioniert das Bezahlen im Restaurant mit einer gemeinsamen Rechnung. Das heißt, der Kellner kommt mit der Rechnung auf einem kleinen Tablett oder ähnlichem, die Essensgenossen legen zusammen und zahlen gemeinsam. Der Kellner kommt dann mit dem Wechselgeld zurück. Man nimmt das Wechselgeld und lässt das Trinkgeld zurück – schon vorher das Trinkgeld anzusagen, ist unüblich, wird aber auch verstanden, da sind die Kubaner nicht auf den Kopf gefallen ;)

Soweit folgt das Protokoll dem bekannten Muster aus Mittelmeerländern, Spanien beispielsweise, an dem sich Kuba vielfach orientiert.

Der kubanische Lebensstandard

Nur die Höhe des Trinkgelds ist etwas Besonderes. Wir müssen uns dazu in Erinnerung rufen, dass der staatliche Lohn in Kuba bei 15 Dollar pro Monat liegt. Nicht, dass die Familien davon leben können, 300 – 600 Dollar sind der übliche Monatsverdienst und davon lässt es sich leben. Wichtig, um die Differenz zwischen staatlichem Lohn und nötigem Mindesteinkommen zu überbrücken, ist dann eben genau das Trinkgeld. Will heißen: die Kubaner sind auf das Trinkgeld angewiesen, um nicht nur von Reis, Bohnen und Eiern zu leben.

Trinkgeld ja, aber nicht zu viel

Inzwischen spaltet sich die kubanische Gesellschaft aber immer mehr in arm und reich: Zugang zu Touristen, Verwandte in Miami, ein eigenes Taxi machen dann den Unterschied. Das heißt für uns Touristen: wenn wir wie gewohnt 10% Trinkgeld geben, bringen wir das Gefüge noch weiter aus dem Gleichgewicht.

Es ist also eine Gradwanderung: Trinkgeld ja, aber nicht zu viel. Wenn wir in Kuba unterwegs sind, gebe ich mit meiner Frau ca. 0,5 bis 1 CUC. Wenn uns der Service und die Qualität ganz besonders gefallen haben, dann vielleicht mal 1,5 bis 2 CUC, mehr auf keinen Fall, sonst bringt ihr das soziale Gleichgewicht weiter durcheinander.

Einberechnetes Trinkgeld

Manche Restaurants, gerade die Privaten, schreiben auf der Speisekarte, dass 10% Trinkgeld zusätzlich erhoben werden. Nicht wundern, das ist durchaus üblich, aber einfach nur eine versteckte Preiserhöhung. Denn bei den Kellnern kommt davon normalerweise nichts an, reine Abzocke des Besitzers also… Für uns heißt das: die Preise sind höher als gedacht und Trinkgeld sollten wir trotzdem noch geben.
So, nun wünsche ich einen schönen Urlaub, egal, ob ihr nach Kuba fahrt oder woanders hin – aber nicht bevor ich euch noch eine Warnung mit auf dem Weg gebe: im Restaurant in Kuba solltet ihr die Rechnung immer nachkalkulieren, gerne tauchen zusätzliche Getränke auf der Rechnung auf oder die Preise sind plötzlich höher. Ist leider normal, liegt eben z.B. auch an dem zunehmenden Ungleichgewicht, das die Leute gieriger macht. Nichtsdestotrotz: ich würde direkt morgen wieder nach Kuba fliegen, wenn ich könnte!

Über Cubanews.de

Dietmar schreibt auf seinem Blog über den karibischen Inselstaat in all seinen Facetten. Von Reisetipps über kubanische Cocktails bis hin zu aktuellen Informationen ist alles dabei.

Trinkgeld in den USA

Synke von Synke unterwegs

Synke unterwegs in Utah

Ich reise viel in die USA und habe insgesamt auch über drei Jahre dort gelebt. Nur um auf meinem USA-Roadtrip im letzten Sommer festzustellen, wie komplex und teilweise auch undurchsichtig das Thema Trinkgeld ist. Grundsätzlich wird in den USA für alle möglichen Dienstleistungen „getippt“. Da der Stundenlohn besonders in Restaurants sehr niedrig ist, sind die Bedienungen auf das Trinkgeld angewiesen. Dabei sind ein Trinkgeld von 15% das Minimum, was erwartet wird. Richtig! Es ist nicht unbedingt eine Option. In der Regel rechnet man den Prozentsatz, den einem der Service wert war ungefähr aus und rundet dann wie in Deutschland auf den vollen Betrag auf. In den letzten Jahren habe ich es auf Quittungen auch schon häufig gesehen, dass die verschiedenen Prozentbeträge von 15%, 18% und 20% am Ende der Rechnung aufgeführt werden. Verwirrend für uns Deutsche ist es oft, wie man Trinkgeld bei Bezahlung mit Kreditkarte gibt. Auf der Quittung unter dem Rechnungsbetrag finden sich immer noch zwei leere Zeilen. In die erste schreibt man den Betrag fürs Trinkgeld und darunter summiert man die Rechnungssumme und Trinkgeld. Diese Summe ist der Betrag, der von der Kreditkarte abgebucht wird.

Leider hört es da nicht auf. Auch in Coffeeshops, für den Zimmerservice, Tourguides, den Taxifahrer, den Kofferträger im Hotel und den Busfahrer des Airportshuttle wird Trinkgeld gegeben. Allerdings gibt es hier wieder andere „ungeschriebene“ Regeln. Einzig und allein in Fast-Food-Ketten oder grundsätzlich dort, wo das Essen und die Getränke in Selbstbedienung bestellt und abgeholt werden, muss kein Trinkgeld gegeben werden. Gerade weil das Thema Trinkgeld für die verschiedenen Services für mich auf meiner letzten USA-Reise teilweise etwas verwirrend war, habe ich einen Fragebogen zum Thema erstellt und an 10 verschiedene amerikanische Freunde verschickt. Die Antworten waren für mich teilweise sehr überraschend. Mehr dazu wird es demnächst in einem Beitrag auf meinem Blog geben.

Über Synke unterwegs

Ich bin Synke, lebe in Berlin und reise nie ohne meine Kamera. Auf meinem Blog Synke unterwegs schreibe ich über meine Reisen und teile mein Wissen zur Reisefotografie und immer häufiger auch über Vegan auf Reisen. Die USA bereise ich seit einem AuPair Jahr 1998 regelmäßig.

Vielen Dank an meine Reiseblogger-Kollegen für ihre interessanten Beiträge.

Wie handhabst du es mit dem Trinkgeld? Ich freue mich auf deine Tipps und Erlebnisse in den Kommentaren –

und wünsche dir allzeit schöne Reiseerlebnisse

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Immer wieder eine spannende Frage nicht nur auf Reisen lautet: Wie hoch ist das „richtige“ Trinkgeld? Grundsätzliche Gedanken dazu und konkrete Tipps zu Trinkgeld in Kuba und den USA haben Reiseblogger für diesen RoundUp beigesteuert. #trinkgeld, #reisen, #tip

Fotos: Maike Braun, Dietmar Fischer, Synke Nepolski

Ich bin Martina und für mich zählen Reisen und kulinarische Genüsse zu den schönsten Dingen der Welt. Hier auf Places and Pleasure teile ich mit euch meine Erlebnisse und Erfahrungen rund ums Reisen. Außerdem erfahrt ihr gute Adressen und lernt leckere und interessante Produkte kennen.

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