Marokko ist eine Reise wert [Gastbeitrag]

Gastbeitrag von Nadja Bungard von der Startbox Berlin

Wüste, Meer und Berge – was kann ein Reisender mehr von einem Land erwarten? Marokko bietet das alles und noch mehr. Man kann sogar Skifahren und Surfen verbinden. Nicht nur Individualreisende und All-inklusive-Fans kommen auf ihre Kosten, sondern auch Surfer, Natur- und Kunstliebhaber.

In maximal 4 Flugstunden erreicht man von Deutschland aus das nordafrikanische Königreich und ist in einer anderen Welt. Hier treffen Tradition und Moderne unmittelbar aufeinander. In den engen Gassen des Souk-Marktes in Marrakesch sitzt auf der einen Seite ein Handwerker auf der Erde und näht an einer Tasche und gegenüber bietet ein Shop die allerneuesten Smartphones zum Kauf an. Auf den Straßen verkehren Eselskarren neben neuesten Limousinen und die Marokkaner kombinieren selbstbewusst ihr traditionelles Gewand mit Turnschuhen.

Agadir ist nicht Marokko

Ich war – leider zu kurz – in Agadir und hatte die Gelegenheit zu ein paar Ausflügen. Agadir ist der Badeort der Marokkaner, den sie gern in den Sommermonaten wegen seines angenehmen Klimas und des langen Sandstrandes besuchen. In den Wintermonaten dominieren europäische Rentner den Strand und genießen die Sonnenstunden als Auszeit vom nördlicheren Schmuddelwetter. Preiswerte Reiseangebote gibt es inzwischen genug und den Strand säumen Hotels, die mit Gärten, Restaurants und Bars zum Verweilen einladen. Eine 7 Kilometer lange Strandpromenade verbindet sie. Dort sind nicht nur Touristen bis spät in die Nacht gern unterwegs, sondern auch einheimische Familien mit Kindern.

Strand von Agadir

An dem leider nicht sehr sauberen Strand spielen Jugendliche mit Begeisterung Fußball, Jogger ziehen ihre Bahnen und auf Dromedaren kann man einen geführten Ritt probieren. Fliegende Händler bleiben da nicht aus und versuchen Schmuck und Sonnenbrillen und ähnlichen Schnick-Schnack unter die Leute zu bringen. Vereinzelt werden auch Drogen angeboten. Die zu kaufen ist keine gute Idee, weil die Strandpromenade sichtbar von bewaffneter Polizei regelmäßig kontrolliert wird. Hinter dem letzten Hotel liegt eine Sanddüne. Als Normalsterblicher wird man hier von Uniformierten wieder zurückgeschickt. Denn dahinter befindet sich gleich einer der Paläste des Königs. Ansonsten kann man sich sehr frei in der Stadt bewegen und auch europäische Kleidung ist in Agadir kein Problem. Trotzdem sollte man sich rücksichtsvoll benehmen. Es ist ein islamisches Land. Die meisten marokkanischen Frauen tragen Schleier, nur wenige jedoch Gesichtsschleier.

In Agadir selbst gibt es leider nicht wirklich viel zu sehen, nachdem ein Erdbeben die Stadt 1960 fast komplett zerstörte. Der alte Hafen, am Anfang der Strandpromenade gelegen, wurde inzwischen mit modernen Wohnhäusern sowie Restaurants und Shops bebaut und man fühlt sich dort etwas verlassen, weil das arabische Flair fehlt und statt dessen Läden wie in Europa auf einen Besuch warten. Ganz anders ist es, wenn man sich ins Zentrum aufmacht. Es macht Spaß, den arabischen Alltag zu erleben und einen NousNous (Kaffee mit geschäumter Milch), einen Pfefferminztee oder einen frisch gepressten Orangensaft zu genießen. Denn die Organgen kommen frisch aus dem Hinterland, der fruchtbaren Ebene um Taroudant, umgeben von Atlas und Anti-Atlas-Gebirge, und schmecken fantastisch!

Arganbäume

In dieser Gegend gibt es noch etwas Einmaliges: Die Arganbäume, die nur dort wachsen und Früchte tragen. Aus den Früchten wird das wertvolle Arganöl gewonnen, das zum Essen oder für Kosmetik verwendet wird. Das essbare Öl hat einen leicht nussigen Geschmack, weil die Arganmandeln vor dem Mahlen geröstet werden. Es soll sehr gesund sein. Arganöl ist dann auch das Top-Verkaufsprodukt in der Region. Man bekommt es und die daraus hergestellten Produkte überall. Und jeder Händler hat seine eigene Philosophie, was das beste Öl ausmacht.

Jeder Krämer lobt seine Ware

Einen Besuch wert ist unbedingt der Souk-Markt im Nordosten der Stadt. Hier kaufen auch die Einheimischen ein. Man erreicht ihn zu Fuß oder besser mit einen der roten, etwas abgewirtschafteten Petit Taxis, die in der Stadt unterwegs sind. Für wenige Dirham, die marokkanische Währung, oder auch in Euro, bekommt man dort leckeres Brot, Trockenfrüchte, frisches Obst und Gemüse und alle anderen Dinge. Die Waren sind hoch zu einem Turm aufgestapelt, in dem irgendwo der Händler sitzt. Bekannt ist Marokko für seine Lederwaren, Metallwaren, Tongefäße und auch Schmuck und bunt bestickte Stoffe.

Souk mit Marktständen in Agadir

Die Marokkaner haben eine sehr geschickte Strategie ihre Sachen zu verkaufen. Zuerst sprechen sie einen freundlich an und fragen, woher man kommt. Ein paar Brocken können sie in jeder europäischen Sprache und es scheint ihnen Spaß zu machen, einfach ins Gespräch zu kommen. Dann zeigen sie einem die Waren. Dazu muss man sich hinsetzen und frischen Minztee trinken. Man erfährt wirklich eine Menge über die Waren und sie reagieren umgehend auf Wünsche. Fragt man jetzt schon nach dem Preis, wollen sie davon nichts hören. Erst muss alles erklärt werden. Ist man nicht interessiert, machen sie Angebote, denen man nur schwer widerstehen kann. Will man gehen, fällt der Preis rapide. Das ist der Moment, um dem Kauf zuzustimmen, nicht vorher! Alles eine Frage des Timings. Ist der Deal getan, ist man schnell uninteressant. Es ist wie ein Spiel von dem man auch schnell zu viel bekommen kann.

Gewürze in Marokko

Agadir – das Surfer-Paradies

Von Oktober bis April kommen Surfer hier voll auf ihre Kosten. Ununterbrochen rollt eine Welle nach der anderen an den Strand. So zeigt Bus Nr. 32 in Agadir nicht den Zielort an, sondern einfach SURFING. In 30 Minuten ist man für 5 Dirham (ca. 50 Cent) in Tamraght oder Taghazout. Dort gibt es Surf-Shops, Surfer-Pensionen und Surf-Schulen. Unterhalb eines langgestreckten Zeltplatzes liegt die Bucht, in der wie Robben die Surfer in den Wellen hängen. Bei angenehmen 18°C kann man es in den Wellen eine ganze Weile aushalten. Surfbrett und Neopren-Anzug kann man umgerechnet für wenige Euro kaufen. Und sollte man Hunger bekommen, gibt es ein sehr leckeres Fisch-Restaurant. Leider ist die Bucht von provisorischen Hütten gesäumt, was etwas nach Slum aussieht und auch hier liegt viel kleinteiliger Plastikmüll herum.

Paradise Valley

Gleich dort geht die Straße ins Paradise Valley ab. Uns war es leider nicht vergönnt, diese Naturschönheit zu besuchen, weil die Straßen dorthin nach ungewöhnlich viel Regen gesperrt waren. Wir haben statt dessen einen Ausflug ans Ende dieses fruchtbaren Tals, gemacht und den Wasserfall von Izzimgane besucht. Den erreicht man über die Berge vom Hinterland. Kleine Straßen führen hoch hinauf. Die Menschen, die dort leben, sind zu Fuß oder mit Eseln unterwegs. „Aber alle Häuser haben Strom und Wasser“, betont unser Fahrer auf Deutsch. Wir haben uns eines der großen Grande Taxis in Agadir für unseren Ausflug genommen. Den Preis handelt man vorher aus. Für 100 Euro kann man den ganzen Tag mit einem persönlichen Fahrer unterwegs sein. Unser Fahrer spricht ganz gut deutsch. Bei Missverständnissen ist französisch hilfreich. Das verstehen eigentlich alle Marokkaner, weil es jeder in der Schule lernt. Nach langer kurvenreicher Fahrt sind wir dann froh an den Wasserfällen zu sein. Das ist auch wirklich beeindruckend. Leider ist der Weg vom Parkplatz bis dorthin auf der einen Seite komplett von Händlern okkupiert, die zum Teil ihre Stoffe und Teppiche so aufgehängt haben, dass man das Eigentliche, den Wasserfall, nicht mehr sieht. Wir fliehen auf die gegenüberliegende Seite und landen in einem terrassenförmigen Olivenhain. Oberhalb hat man einen sehr schönen Blick auf die herabstürzenden Wassermassen. Leider gibt es auch hier sehr viele Zeugnisse der Zivilisation. Der Wasserfall ist auch bei Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel am Wochenende für ein Picknick mit der ganzen Familie. Immerhin scheint das Problem langsam erkannt zu werden: Bei den Händlern bekommt man kaum noch Plastiktüten, sondern Tüten aus Vliesstoff.

Marrakesch unbedingt ansehen

Die engen Gassen, die bunten Waren, das quirlige Leben – es ist wie eine Reise in die Märchen von 1001 Nacht. Auch die deutschen Störche lieben Marrakesch. Schon auf dem Haupteingang zur Kasbah, dem Eingang zu Altstadt, haben sich zwei häuslich eingerichtet. Weitere sieht man überall thronen. „Und die fliegen auch gar nicht mehr zurück“, meint unser Stadtführer. Die Altstadt selbst wirkt recht karg. Das ist die typische Bausituation im Orient: nach außen karg und fensterlos und innen prachtvoll geschmückte Höfe mit Brunnen und Pflanzen. Das ist auch verständlich bei Temperaturen um die 52°C im Sommer. Im Winter dagegen kann es auch sehr kalt werden, vor allem in den Bergen und Wüstengebieten. Und so kann man von der Terrasse eines Cafés am berühmten Platz seinen Blick über den dem berühmten Platz Djemaa el Fna schweifen lassen und sieht am Horizont die schneebedeckten Berge. Auf diesem Platz herrscht die ganze Nacht buntes Treiben. Und es wird nicht für die Touristen inszeniert. Hier feiert sich das Leben selbst, seit Jahrhunderten. Als Gast kann man das spüren.

Storch in Marrakesch

Von Marrakesch nach Sevilla

Von dem Platz führt eine Promenade geradewegs auf die Koutoubia-Moschee zu, eine der ältesten Moscheen Marokkos. Wer schon einmal in Sevilla war, wird sich an die Giralda erinnert fühlen – kein Zufall! Die Türme wurden zeitgleich und wahrscheinlich auch vom gleichen Baumeister errichtet. Es gibt noch sehr viel mehr zu entdecken in dieser lebendigen Stadt, so wie auch im ganzen Land. Beim nächsten Mal werde ich mir mehr Zeit nehmen. Man muss das Ganze ja auch auf sich wirken lassen!

Warst du schon mal in Marokko? Welche Städte hast du dort besucht? Ich bin gespannt auf deine Tipps und Erlebnisse in den Kommentaren.

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(Gastbeitrag) Marokko – ein vielseitiges Reiseziel zwischen Tradition und Moderne. Erfahre, was du zwischen Wüste, Meer und Bergen alles entdecken kannst. #Marokko #Reisetipps #Reisen

Fotos: Nadja Bungard

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